Ich kann das schon alleine!
Im Oktober haben wir in unserem Blog darüber geschrieben, wie wichtig verlässliche Bindung und Geborgenheit für die kindliche Entwicklung sind. Wer sich sicher fühlt, traut sich auch auf neues Terrain. Zum Blogbeitrag
Genau das beobachten wir in der Kinderstube jeden Tag. Es gibt diesen einen Augenblick, in dem die Augen eines Kindes aufleuchten und der Ruck durch den ganzen Körper geht: „Ich kann das schon alleine!“ Ob es der erste gekonnte Reißverschluss an der Jacke ist, das Aufschneiden einer Banane oder das unfallfreie Einschenken von Wasser aus der kleinen Kanne – eigene kleine Erfolge geben Kindern ein tiefes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Selbstständigkeit entsteht nicht über Nacht. Sie ist ein Schritt-für-Schritt-Prozess. Jedes Kind reist dabei im eigenen Tempo, und wir begleiten diesen Weg aufmerksam und mit der nötigen Ruhe.
Unser Leitgedanke: „Hilf mir, es selbst zu tun
Bei uns in der Kinderstube muss am Ende des Tages keineswegs alles perfekt klappen. Wir arbeiten nach dem Grundsatz von Maria Montessori: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Anstatt Aufgaben schnell für die Kinder zu erledigen, schaffen wir den Raum, das richtige Werkzeug und die Zeit, damit sie Dinge aus eigener Kraft schaffen können.
Dazu gehört Gelassenheit auf allen Seiten. Ein verkehrt herum angezogener Gummistiefel oder ein paar Wassertropfen auf dem Esstisch sind schlicht Teil des Lernprozesses. Wenn Kinder merken, dass kleine Missgeschicke völlig in Ordnung sind, verlieren sie die Scheu vor dem Ausprobieren.
Hier hilft auch unser Großfamilienfeeling: In der Gemeinschaft schauen sich die Kleinen viel bei den Älteren ab. Die Großen wiederum übernehmen stolz Verantwortung und zeigen den Jüngeren gerne, wie man die Jacke schließt oder den Löffel richtig hält. So wird das Lernen zu einem ganz natürlichen Miteinander.
Selbstständigkeit im Kita-Alltag: Wo eure Kinder Verantwortung übernehmen
Sowohl in Sendling als auch in Pasing gibt es im Tagesablauf viele Gelegenheiten, bei denen Kinder Verantwortung übernehmen – für sich selbst und für die Gruppe.
- An der Garderobe: Vor dem Rausgehen in den Garten wird die Garderobe zum Übungsfeld. Die Kinder probieren aus, Schuhe zuzuordnen oder die Jacke mit dem bekannten „Jackentrick“ selbst über den Kopf zu ziehen. Das schult die Motorik und schenkt am Ende das stolze Gefühl, es ohne Hilfe geschafft zu haben.
- Bei den Mahlzeiten aus der Schmankerlküche: Das gemeinsame Essen ist ein zentraler Treffpunkt. Die Kinder helfen oft beim Eindecken, schöpfen sich ihr Essen selbst auf und gießen Getränke aus kleinen Kannen ein. Wir achten dabei auf das Bauchgefühl der Kinder: Wer satt ist, hört auf zu essen. Nachmittags stehen Obst, Rohkost und Brote bereit, an dem sich die Kinder eigenständig bedienen.
- Aufgaben für die Gemeinschaft: In einer großen Familie packen alle mit an. Pflanzen im Garten gießen, die Spielsachen vor der Abholzeit gemeinsam einsortieren oder den Tisch abräumen – solche Handgriffe vermitteln Kindern, dass ihr Beitrag in der Gruppe zählt.
- Im Freispiel und bei Projekten: Im Freispiel wählen die Kinder selbst, womit, mit wem und wie lange sie sich beschäftigen möchten. Ob in der Bauecke und Puppenecke oder draußen im Garten: Sie entwickeln eigene Ideen. Unsere Pädagogen halten sich im Hintergrund und unterstützen genau dann, wenn ein Impuls gebraucht wird.
Warum feste Routinen Orientierung schenken
Damit Kinder Neues wagen können, brauchen sie eine verlässliche Struktur. Wiederkehrende Abläufe im Tagesplan sind für uns keine Einschränkung, sondern geben Kindern Orientierung.
Wenn ein Kind weiß, was nach dem Morgenkreis oder vor dem Mittagessen passiert, sinkt die Unsicherheit. Diese Ruhe macht den Kopf frei für Neues. Die Kinder nutzen sie, um sich voller Neugier auf neue Aufgaben einzulassen.
Das passt eng zu unserem Verständnis von nachhaltiger Bildung: Es geht nicht darum, Wissen auswendig zu lernen, sondern zu „Lernen wie man lernt“. Wer früh lernt, Hürden Schritt für Schritt selbst zu überwinden, geht auch später gelassener an schwierige Aufgaben heran – etwa wenn in der Schule mal nicht gleich alles klappt.
Eltern-Tipps für Zuhause: So unterstützt ihr euer Kind im Alltag
Die Förderung der Eigenständigkeit lässt sich leicht in den Familienalltag integrieren. Oft reichen schon kleine Anpassungen im Ablauf:
- Etwas Pufferzeit einplanen: Wenn es morgens schnell gehen muss, greift man als Erwachsener automatisch ein. Zehn Minuten mehr Zeit vor dem Aufbruch nehmen den Druck raus und geben dem Kind die Chance, den Pullover oder die Knöpfe ohne Hektik selbst zu bewältigen.
- Eine passende Umgebung schaffen: Mach es deinem Kind leicht, an Dinge heranzukommen. Niedrige Garderobenhaken, ein Trittbrett vor dem Waschbecken oder leicht erreichbare Becher laden dazu ein, Alltagsaufgaben ohne Hilfe zu erledigen.
- Den Versuch wertschätzen: Der Tisch ist schief gedeckt oder beim Einschenken geht etwas daneben? Entscheidend ist der Wille, es selbst anzupacken. Wer den Einsatz lobt statt das perfekte Ergebnis zu erwarten, gibt dem Kind Vertrauen für den nächsten Versuch.
Fazit: Ein Fundament für die eigene Persönlichkeit
Selbstständigkeit bedeutet viel mehr als Schuhe zubinden. Sie baut Selbstvertrauen auf und stärkt das Gefühl, den Alltag aus eigener Kraft gestalten zu können.
Möchtest du erleben, wie wir das familiäre Miteinander und die individuelle Förderung an unseren Standorten umsetzen? Ob in der Kinderstube Sendling (Tölzer Straße) oder in der Kinderstube Pasing (Angela-Molitoris-Platz) – wir zeigen dir unsere Einrichtungen gerne persönlich.
Sichere dir einen Platz für dein Kind in unserer großen Familie. Wir freuen uns darauf, euch kennenzulernen!